Internationaler Markt
Rohöl verliert weiter an Wert. Die Leitmarke Brent kostet am heutigen Morgen nur noch 74,7 Dollar je Barrel. Das ist der niedrigste Stand seit Jahresanfang. Weder das Chaos der Trumpschen Zollpolitik noch die neuen Sanktionen gegen Russland können derzeit den Preisverfall aufhalten.
Das liegt auch daran, dass die Folgen der amerikanischen Politik bislang wenig greifbar sind oder unklare Konsequenzen haben. Trump musste nach heftigem Widerstand die Zolldrohungen gegen mexikanische und kanadische Importe zurücknehmen. Die Zölle gegen chinesische Einfuhren werden vor allem der Weltwirtschaft schaden und damit den globalen Ölverbrauch bremsen, so die allgemeine Einschätzung.
Die Sanktionen gegen die russische Schattenflotte behindern zwar die russischen Ölexporte Richtung Asien, aber die Lücke wird problemlos von arabischen Ölstaaten geschlossen. Saudi-Arabien nutzte gestern die Chance und erhöhte sogar die Preise für asiatische Großkunden. Das kann den globalen Preistrend bislang nicht umkehren. Die Saudis machen aber zumindest klar, dass sie wie schon im letzten Jahr die Untergrenze von 70 Dollar für einen Barrel Öl verteidigen werden.
Es bleibt also alles beim Alten, nur garniert mit einer irrlichternden Ölpolitik in Washington. Nach wie vor verhindert ein üppiges Ölangebot einen breiten und anhaltenden Ölpreisanstieg. Die globale Ölnachfrage wird in diesem Jahr voraussichtlich ähnlich wie im letzten Jahr um etwa ein Prozent zulegen, aber die alten und neuen Ölproduzenten, vor allem in Nord- und Südamerika, können die Nachfrage problemlos bedienen.
Das zeigten auch die gestern veröffentlichten Zahlen zum amerikanischen Ölmarkt. Die Rohölvorräte legen im Vergleich zur Vorwoche kräftig um fast neun Millionen Barrel zu. Bei den Produkten ist die Lage gemischt: Die Kältewelle strapaziert die Heizölvorräte in einigen Landesteilen, während die Benzinvorräte erneut anwachsen. Vor allem die Schwäche im Benzinmarkt hält die Raffinerien davon ab, zusätzliches Rohöl einzukaufen. Einige Anlagen verabschieden sich bereits vorzeitig in die im Frühjahr übliche Instandhaltungspause.
Hier die Zahlen des amerikanischen Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderung der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche und weitere Indikatoren zum amerikanischen Ölmarkt:
Rohöl: +8,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -5,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -7,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,4 Mio. Barrel (API)
Rohölförderung (4-Wochen-Durchschnitt): 13,4 Mio. Barrel pro Tag (0,4 Mio. über Vorjahresniveau)
Ölnachfrage (4-Wochen-Durchschnitt): 20,6 Mio. Barrel pro Tag (0,7 Mio. über Vorjahresniveau)
Hier in Europa startet der Handel an den Ölbörsen erneut mit Abschlägen. Aktuell kostet Brent-Rohöl 74,69 US-Dollar je Barrel . Die US-Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) steht bei 71,18 US-Dollar je Barrel
. Rotterdamer Gasoil notiert bei 698,25 Dollar je Tonne
. Der US-Dollar ist 0,9650 Euro wert
. Damit steht der Euro bei 1,0361 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum gestrigen Handelsauftakt.
Nationaler Markt
Auch im deutschen Heizölmarkt fallen die Preise. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittswert von knapp über 96 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3000 Liter). Blickt man auf die letzten zwölf Monate, ist das ein mittleres Preisniveau.
Der Preisverfall der letzten Tage hat jedoch den Markt aufgeweckt. Die Zahl der Bestellungen liegt im Februar bisher deutlich über dem Januar. Das zeigt sich auch beim Schwarm-O-Meter, das die Kaufbereitschaft nach Preisanfragen misst. Es steht erstmals in diesem Jahr stabil auf einer hohen Stufe.
Die tägliche Lesereinschätzung zeigt, dass der Preisoptimismus noch immer ausgeprägt ist, aber im Vergleich zur letzten Woche schrumpfte. Knapp 30 Prozent der Stimmen erwarten demnächst wieder steigende Heizölpreise. Auch diese Befürchtung hat die Neigung zur Kaufentscheidung sicherlich beschleunigt.
Noch ist unklar, wann die Ölpreise wieder nach oben drehen. Der Widerstand der OPEC wird wohl wie üblich wachsen, wenn sich die Notierungen der 70-Dollar-Marke nähern. Insofern gibt es nicht mehr viel Luft nach unten. Wer vor einem leeren Tank steht, sollte daher das niedrige Preisniveau in diesen Tagen nutzen.
Nach wie vor gilt jedoch: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbrannt wird. Reduzieren Sie Ihren Verbrauch und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung, auch angesichts der globalen Klimakrise und steigender CO2-Preise. Die Verbraucherzentralen halten zahlreiche Tipps und Empfehlungen bereit.