Internationaler Markt
Nach dem unerwartet raschen Rückgang der Ölpreise haben die ersten Trader jetzt kalte Füße bekommen. Sie lösten ihre Wetten auf fallende Preise auf und nahmen Gewinne mit. Andere sahen den Zeitpunkt gekommen, das Pferd zu wechseln und auf eine Preiserholung zu setzen.
Die Rohölpreise konnten sich dadurch gestern stabilisieren. Brent-Rohöl kostet am heutigen Morgen knapp 75 Dollar je Barrel. Das liegt leicht über dem Stand von gestern. Dennoch sieht es im Moment danach aus, dass die Ölpreise heute die dritte Woche in Folge mit roten Vorzeichen beenden. Das war nicht unbedingt zu erwarten, nachdem am Montag noch hohe Strafzölle gegen kanadische und mexikanische Ölimporte im Raum standen.
Eine nachhaltige Trendumkehr nach oben ist allerdings nicht in Sicht. Steigende Lagerbestände, Produktionspausen bei vielen Raffinerien, und der Handelskrieg zwischen China und den USA inmitten einer ohnehin schwächelnden Weltwirtschaft kündigen eine lahmende Ölnachfrage an.
Die neue Ölpolitik in Washington wirkt sich in diesem Umfeld kaum aus. Trump stellte gestern erneut Lockerungen für die amerikanische Ölindustrie in Aussicht. Doch die winkt ab. Steuersenkungen und Deregulierungen werden zwar dankend mitgenommen, aber Big Oil will nicht mehr als bisher investieren. Renditen und nicht Wachstum stehen derzeit an erster Stelle in der Ölbranche. Mehr Öl bedeutet jedoch tendenziell sinkende Preise und damit sinkende Profite.
Die preistreibenden Faktoren sind derzeit weniger greifbar. Trump will die iranischen Ölexporte auf Null reduzieren, ähnlich wie in seiner ersten Amtszeit. Doch die ersten konkreten Maßnahmen, die gestern verkündet wurden, fielen bescheiden aus.
Lediglich drei Tanker und einige iranische Handelsunternehmen wurden auf die Sanktionsliste gesetzt. Letztere gelten als Scheinfirmen, die für das iranische Militär arbeiten. Dort kontrollieren die Streitkräfte weite Teile der Wirtschaft und bilden seit vielen Jahren eine Art Staat im Staat.
Nach den vollmundigen Ankündigungen Trumps im Januar hatte der Markt mit einem erheblich größeren Sanktionspaket gerechnet. Doch jetzt führt die neue US-Regierung nur die eher zurückhaltende Politik des Amtsvorgängers fort.
Der Ölhandel in Europa startet daher heute nur mit leichten Aufschlägen. Die Händler warten auf den Arbeitsmarktbericht aus den USA, der als ein globales Konjunkturbarometer gilt. Die Zahlen werden am frühen Nachmittag veröffentlicht.
Aktuell kostet Brent-Rohöl 74,95 US-Dollar je Barrel . Die US-Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) steht bei 71,19 US-Dollar je Barrel
. Rotterdamer Gasoil notiert bei 707,25 Dollar je Tonne
. Der US-Dollar ist 0,9614 Euro wert
. Damit steht der Euro bei 1,0401 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum gestrigen Handelsauftakt.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise ziehen im Vergleich zum Vortag leicht an und folgen damit den internationalen Vorgaben. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittswert von 96,4 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3000 Liter). Gleich bei mehreren Tanklagern für Heizöl wurden gestern Versorgungsprobleme gemeldet. Aber noch ist unklar, ob die Störungen länger anhalten. Eine Preisreaktion ist bislang nicht erkennbar.
Der deutsche Heizölmarkt wirkt nach wie vor lebendig. Die Zahl der Bestellungen hält sich deutlich über dem Niveau der letzten Wochen. Die erste Welle scheint allerdings auszulaufen. Das Schwarm-O-Meter, das die Kaufbereitschaft nach Preisanfragen misst, fiel am Morgen auf die mittlere Stufe zurück. Die Kaufinteressenten werden also vorsichtiger und greifen nicht mehr unbesehen zu. Andererseits rät das mathematische Tiefpreis-System, das Preistrends auswertet, jetzt zum Kauf.
Anscheinend hoffen aber viele Verbraucher auf noch günstigere Einstiegspreise. Die tägliche Lesereinschätzung zeigt, dass der Preisoptimismus wieder zugelegt hat. Sechs von sieben Voten erwarten einen erneuten Preisrückgang in den nächsten Tagen.
Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Aber der Widerstand steigt, wenn die Rohölpreise Richtung 70 Dollar fallen. Die OPEC-Staaten und Russland suchen nach Mitteln und Wegen, Öl wieder teurer zu machen, wenn auch bislang ohne Erfolg. Insofern könnten die Ölpreise noch für einige Zeit in der Nähe des aktuellen Niveaus verharren. Wer demnächst ordern muss, kann sich also entspannt nach einem passenden Angebot umschauen.
Nach wie vor gilt jedoch: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbrannt wird. Reduzieren Sie Ihren Verbrauch und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung, auch angesichts der globalen Klimakrise und steigender CO2-Preise. Die Verbraucherzentralen halten zahlreiche Tipps und Empfehlungen bereit.