Internationaler Markt
Nach einem steilen Anstieg Anfang letzter Woche kamen die Ölpreise im weiteren Verlauf wieder zurück. Damit scheint die Gefahr einer Rückkehr zum Aufwärtstrend der ersten Januarhälfte gebannt zu sein. Derartige Prognostik ist allerdings mehr denn je Kaffeesatzleserei, denn die Agenda des so einflussreichen wie unberechenbaren Präsidenten der USA ist ein launisches Manuskript.
Vollkommen ahnungslos ist man auf den Beobachterrängen natürlich nicht. Verschiedene präsidiale Einlassungen zeigen kalkulierbare Wirkungen. Zölle oder Friedengespräche vermögen Ölpreise zu senken, da sie den internationalen Handel schwächen oder Angebotsrisiken mindern. Die Aussetzung oder Verzögerung von Zöllen und Sanktionen gegen Ölstaaten lassen die Preise steigen, da freier Handel Nachfrage stimuliert und Handelsbarrieren Angebot aussperrt.
Bereits in seiner ersten Wahlperiode schnitt Donald Trump iranischem Öl den Marktzugang weitreichend ab. Die Exporte waren bis auf 0,1 Mio. Barrel pro Tag gesunken. Unter der Präsidentschaft von Joe Biden sind sie wieder auf 1,6 Mio. Barrel pro Tag angewachsen. Das soll sich nun erneut ändern. Die alte Marke ist das neue Ziel. Damit sollen Teheran die Finanzmittel zur Unterstützung terroristischer und kriegerischer Kampfgruppen im Nahen Osten entzogen werden, heißt es aus dem Weißen Haus. China und Indien werden in dem Kontext als Hauptabnehmer des Öls gebrandmarkt. Die Befürchtung, steigende Ölpreise zu provozieren, teilt die US-Regierung nicht. Sie bedrängt die OPEC massiv, ihre hohen Reservekapazitäten als Ersatz für das auszusperrende iranische Öl auf den Markt zu werfen. Dazu müssen die aktuellen Förderkürzungen der OPEC gelockert werden. Das Vorhaben will das Kartell ab April dieses Jahres ohnehin angehen.
Die Existenz dieser Reservekapazitäten erlaube es auch, schärfere Sanktionen gegen Russland ohne einen Ölpreisanstieg durchzusetzen. Experten sind sich allerdings uneinig, inwieweit die bisherigen Maßnahmen das russische Ölangebot tatsächlich eingeschränkt haben. Angesichts des amerikanischen Drängens auf Friedensgespräche mit Russland zur möglichen Beendigung des Ukraine-Kriegs interessieren sich Finanzjongleure eher für die Geschwindigkeit des Zustandekommens dieser Gespräche, die in Saudi-Arabien stattfinden sollen. Nach heutigem Stand würden sie sehr schnell ohne die Ukraine und die EU beginnen können. Ein Kriegsende würde voraussichtlich zu einem Abbau vieler Sanktionen gegen Russland führen, wodurch das Ölangebot des Landes wieder steigen würde.
Unabhängig von der Frage, ob Sanktionen das russische Öl heute weiter verknappen, gilt es Tatsache, dass der Preis dafür steigt. Das liegt an den gestiegen Frachtraten für Uralöl, das von der Ostsee nach Indien transportiert wird. Auch an anderen russischen Häfen sind die Transportkosten für Öllieferungen nach Indien gestiegen. Besonders betroffen ist die sogenannte russische Schattenflotte, für die die Frachtraten nach den US-Sanktionen um 25 Prozent zulegten. Der Preis kann je nach Beteiligung eines sanktionierten Unternehmens weiter steigen, während nicht sanktionierte russische Ölfirmen möglicherweise günstigere Konditionen bieten.
An den Ölbörsen wird das Preisniveau zum Wochenstart gehalten. Die Notierungen für Rohöl und Gasöl nähern sich den Schlusskursen der letzten Woche nun von unten an. Die Broker der Wall Street werden daran heute kaum etwas ändern, da sie sich aufgrund eines Feiertag mehrheitlich noch im verlängerten Wochenende befinden.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 70,84 Dollar und das Barrel Brent zu 74,83 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 712,25 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,9545 Euro down]. Damit kostet der Euro 1,0475 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise sind heute günstiger als vor einer Woche, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den Vorgaben des internationalen Markts. Große Einsparung ermöglicht der Unterschied nicht. Die gute Meldung besteht eher darin, dass der bedrohliche Preisanstieg Anfang letzter Woche keinen Trend ausgelöst hat. Die Struktur der Trendlinien in den verschiedenen Zeitbereichen der Heizölpreis-Tendenz ist weitgehend unverändert. Kurz- und mittelfristig weisen die Kanäle aufwärts. Längerfristig liegt eine Seitwärtsbewegung vor. In den kommenden Tagen werden die Kanäle wahrscheinlich abwärts kippen, weil sie langsam aus der Hochpreisphase herauswachsen. Den Beginn macht der kurzfristige Zeitbereich.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist belebter als zuvor. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf hohem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Die Heizölpreise sind wieder im kaufbaren Bereich. Wer wenig Öl im Tank hat, sollte sich beherzt eindecken.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.